E Rep. 200-54

Nachlass Gustav Lilienthal

Gustav Lilienthal wurde am 9. Oktober 1849 in Anklam geboren. Nach dem Schulbesuch absolvierte er eine Maurerlehre. Von 1869 bis 1871 studierte er an der Berliner Bauakademie, ohne dort einen Abschluss zu erlangen. Nach 1871 sammelte er in diversen Projekten in Prag, London und Berlin Erfahrungen in der Bauleitung und im Bauentwurf. Im Jahr 1874 war er kurzzeitig in der Berliner Bauverwaltung tätig.
1877 gründete Lilienthal gemeinsam mit seiner Schwester in Berlin eine Kunstwerkstatt für weibliche Handarbeiten. Angeregt durch den Kontakt mit dem Pädagogen J. D. Georgens, widmete er sich intensiv und über viele Jahre der Entwicklung des so genannten Steinbaukasten-Spielzeugs. Aufgrund der hohen Anfangsinvestitionen sowie des geringen wirtschaftlichen Erfolgs war er gezwungen, diese Erfindung und die Maschinen zu deren Herstellung an F. A. Richter in Rudolstadt zu verkaufen, der wiederum aus den Anker-Steinbaukästen ein erfolgreiches Geschäft entwickelte.
Enttäuscht von diesen Erfahrungen, reiste Gustav Lilienthal 1880 nach Australien und konnte dort vielfältige Erfahrungen im Eisenbahnbau sowie in der Forstwirtschaft sammeln. 1885 kehrte er nach Berlin zurück und heiratete 1889 Anna Rothe; aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor. Ab ca. 1891 gründete er ein eigenes Baugeschäft, in dem er sich auch als Architekt seiner Projekte betätigte. Er entwarf mehrere Landhäuser, die im historisierenden Baustil als Burgen von Lichterfelde in die Baugeschichte des Berliner Vororts eingingen. 1895 initiierte er die Baugenossenschaft Freie Scholle in Tegel und engagierte sich für ein reformerisches Konzept des Gemeinschaftseigentums der Pächter mit Versorgungs- und Handelseinrichtungen sowie der Eigenversorgung mit Lebensmitteln durch den Gartenbau. Er entwarf für die Genossenschaft einfache und bezahlbare Siedlungshäuser und nutzte dafür die von ihm entwickelten Fertigteile, die so genannten Terrastdecken. Mit seiner Terrast-Baugesellschaft mbH konnte er ab 1895 in den Orten Hoffnungstal, Lobetal und Gnadental bei Bernau die neue Baumethode erfolgreich fortentwickeln.
Frühzeitig widmete sich Gustav Lilienthal gemeinsam mit seinem Bruder Otto leidenschaftlich der Entwicklung von Flugapparaten für den Menschen. Mit ihren aerodynamischen Beobachtungen und praktischen Flugversuchen gingen sie als herausragende Flugpioniere in die Geschichte ein.
Am 1. Februar 1933 starb Gustav Lilienthal vor seinem Flugapparat auf dem DVL-Gelände in Berlin-Johannisthal.

Den Nachlass von Gustav Lilienthal konnte das Landesarchiv Berlin 1987 aus Privathand erwerben.

Enthält:
Biografisches Material.- Berufliche Tätigkeiten (Designer, Ingenieur, Flugpionier, Architekt, Lebensreformer).- Korrespondenzen.- Fotos.- Zeitgenössische Literatur.- Biografisches Material über und von Moritz von Egidy.
Pläne: Aerodynamische Versuche.- Konstruktion von Flugapparaten.

Erschlossen: 154 [AE] 2.50 [lfm] sonstige Angaben: 40 Karten

Laufzeit:
(1843 -) 1849 - 1933 (- 1985)

Benutzung:
Findbücher

Verweise:

-> LAB E Rep. 300-39 Personenfonds Anna Sabine Halle
-> Deutsches Technikmuseum Berlin

Literatur:
-> Gustav Lilienthal 1849-1933. Baumeister, Lebensreformer, Flugtechniker, Berlin 1989 (= Ausstellungskataloge des Landesarchiv Berlin, 9).
-> Schwipps, Werner: Lilienthal, Berlin 1979.

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